Gimpel, der Narr

von Isaac B. Singer


Premiere: 5. September 1985

Regie: Jutta Ziemke

Kostüm: Meike Neumann

Bühnenbild: Tadeusz Galia

Gimpel: Tadeusz Galia


„Gimpel“ im Spiegel der Presse

Tadeusz Galia war der Interpret dieser bewegenden Gestalt, nein, eigentlich verkörperte er sie so eindrücklich und zwingend, als ob er Gimpel selbst sei. In einem einfachen Szenenbild und mit sparsamen Gesten fesselte er die Zuschauer und Zuhörer von der ersten bis zur letzten Minute derart, dass man die sprichwörtliche Nadel hätte fallen hören können.

Dies war ein nachdenklich stimmender, gleichzeitig aber ein großer Theaterabend.

(Velberter Zeitung, 10.11.88)


Präzise ließ Galia das versunkene polnisch-jüdische Milieu auferstehen. Warum Galia als Gimpel so intensiv und glaubhaft ist, erklärt seine Beziehung zu Gimpel: „Ich bin Gimpel. Gimpel, der Narr, der Gutmütige, der trotz alledem an die Menschen glaubt.“ (Oldenburger Kreiszeitung, Nov. 1988) Wieder einmal gab es einen wahrhaft großen Theaterabend in der „Kleinen Reihe“. In betroffenem Schweigen, sichtlich bewegt, verließen die Besucher den Saal der Stadtbücherei. Das „polnische theater kiel“ hatte nach der Erzählung des Nobelpreisträgers Isaac B. Singers „Gimpel der Narr“ ein Monodrama geschaffen, in dem all die zarten Blumen menschlicher Illusionen um das Glück in dieser Welt grausam von Menschen zertreten wurden. Der Leiter des Theaters, Tadeusz Galia, setzte das psychologisch ungemein interessante, geistvolle Werk in Szene und war zugleich der höchst sensible, faszinierende Darsteller des Gimpels. Allein die Dimensionen seiner inneren Beteiligung an dieser erschütternden Einakt-Elegie dürften dafür sorgen, dass sich das Bild dieses ungewöhnlichen Schauspielers in die Erinnerung der Zuschauer einbrennen wird. Man kann der hier gebotenen künstlerischen Leistung des Tadeusz Galia auch mit dem Gebrauch zahlreicher Superlative kaum gerecht werden. Seine zwingende, ebenso kompakte wie variable Nachzeichnung des geschundenen Menschen Gimpel in seiner Einsamkeit war von solch berührender, tragischer Nobilität, seine elegischen Leidenstöne waren so behutsam und leise, die überaus dezente mimische und gestische „Untermalung“ so ergreifend, dass sich atemlose Stille im Zuschauerraum ausbreitete. (Westfälischer Anzeiger 16.02.1990) Gimpel wurde bei Tadeusz Galia zu einem wahrhaftigen Weisen, der die Welt und die Mitmenschen, die darin leben, liebt, obschon ihm so viel Bösartigkeit und Gemeinheit entgegengebracht und von dort zuteilwird, dass jeder andere sich eher einen Strick genommen hätte. Eine Gestalt mit viel Ähnlichkeit zu Hiob entwickelte Tadeusz Galia stattdessen, und dies eben erschütterte und fesselte, ließ den kleinen Theaterabend zu einem großen Ereignis werden. (Pforzheimer Zeitung, 1.10.1992) Galia gibt darin den Gimpel als einen äußerlich schlichten Menschen. In grober, einfacher Kleidung steht er da in seinen hohen Filzstrümpfen und nestelt verlegen an seiner Weste. Mit unschuldigen Kinderaugen um sich blickend, erzählt er die Geschichte des Naivlings. Mit ausdrucksvoller Körpersprache und melodiösem polnisch-jiddischen Singsang in der Stimme formt er die Figur. So macht er den betrogenen Bäcker in der intimen Atmosphäre des Theaters zu einem ebenso unglaublichen wie glaubwürdigen Fossil konsequenter Menschlichkeit, der durch seine Haltung die Mitmenschen als Unmenschen entlarvt. Am Ende sind alle Narren, bis auf den Narren und der ist ein würdevoller Mensch im Chaos seines Lebens. Das Publikum dankte mit langem Beifall. (Kieler Nachrichten, 1995) Tadeusz Galia, ein Meister der sparsamen Gesten. Eindrucksvoll seine Mimik, sein liebenswert einfältiges Lächeln, seine beredten Hände. Es ist nicht nur still im Zuschauerraum. Es ist, als ob niemand zu atmen wagt, wenn er Sätze wie diese sagt: „Ich gehöre zu denen, die sich mit allem wortlos abfinden. Unsere Schultern haben wir von Gott und unsere Bürden auch.“ Tiefe Weisheit eines Einfältigen, dem langsam eine Träne bis zum Stoppelbart rinnt. Er wirkt so verletzlich und hilflos, wenn er über das Leben sinniert. „Selbst die Narrheit eines Narren hat ihre Grenzen. Ich dagegen bin ein Mensch“, lässt er den Gimpel sagen. (Bargteheider Zeitung, 12.10.2001) Mit fesselnden Worten und sparsamen Gebärden spielte er nicht nur den Titelhelden, nein, er war Gimpel. Der berühmte Funke sprang vom ersten Augenblick an zum Publikum über. Es herrschte atemlose Stille während der gesamten Vorstellung, die zum Schluss verdient mit anhaltendem Beifall belohnt wurde. (Stormarner Tageblatt, 12.10.01)